Anlageformen an der Börse

Anleihen: Kategorisierung nach Typen

Die Segmentierung von Anleihen schafft Transparenz und hilft Anlegern durch den Dschungel der Bezeichnungen. Wichtige Unterschiede u.a. liegen in der Verzinsung, Art der Emittenten, Struktur und Rang.

Art der Verzinsung

Nach der Art der Verzinsung unterscheidet man klassische Anleihen, Nullkupon-Anleihen und Anleihen mit Zinskupon.

  • Klassische Anleihen mit fester, regelmäßiger Verzinsung
    Die meisten Anleihen verfügen über einen festen Zinskupon. Das heißt, sie haben bis zum Laufzeitende eine gleich bleibende Verzinsung und einen gleich bleibenden Zinsertrag. Meist werden die Zinsen jährlich gezahlt. 
     
  • Anleihen mit variablen Zinsen (Floater)
    Der Zinssatz wird bei dieser Anleiheart vom Emittent nach jeder Zinsperiode festgelegt. Der Zins richtet sich in der Regel nach bestimmten Referenz-Zinssätzen, zu denen Banken bei anderen Kreditinstituten Gelder kurzfristig anlegen. Die Gestaltungsmöglichkeiten bei variabel verzinsten Anleihen sind sehr groß. Es können jedoch Ober- und Untergrenzen für die Verzinsung angegeben werden. Anleger sollten sich genau über die Verzinsung informieren, bevor sie Anleihen mit variablen Zinsen kaufen.
     
  • Nullkupon-Anleihen
    Bei Nullkupon-Anleihen erhalten die Anleger keine festen Zinszahlungen. Zum Ausgleich werden Nullkupon-Anleihen deutlich unter ihrem Nennwert ausgegeben. Bei Fälligkeit werden sie zum Nennwert vom Emittenten zurückgenommen. Der Ertrag errechnet sich aus der Differenz zwischen Ausgabekurs und Nennwert. Somit fällt der Gesamtertrag einmalig am Ende der Laufzeit an. Nullkupon-Anleihen werden an der Börse Frankfurt der Kategorie ‚Sonstige Anleihen’ zugeordnet.
     
  • Niedrig verzinsliche Anleihen
    Der Anleihentyp ist mit einem geringeren Zinsschein (Kupon) ausgestattet, dafür werden diese Anleihen unter dem Nennwert ausgegeben. Anleger investieren meist aus steuerlichen Gründen in diese Anleihen.

Unterschiedliche Emittenten

Anleihen lassen sich auch nach Art der Emittenten, die die Anleihen begeben, klassifizieren. Es gibt staatliche Emittenten und privatwirtschaftliche Emittenten.

  • Bundeswertpapiere
    Zur Finanzierung ihres Kapitalbedarfs begeben die Bundesrepublik, Bundesländer, Städte und Gemeinden unterschiedliche Schuldverschreibungen. Der Bund emittiert an börsenhandelbaren Wertpapieren neben Bundesanleihen (Laufzeit zwischen zehn und 30 Jahren), Bundesobligation (Laufzeit etwa fünf Jahre) und Bundesschatzanweisungen (Laufzeit ca. zwei Jahre). Ihre jeweiligen Konditionen sind wichtige Orientierungsgrößen für den gesamten Kapitalmarkt. Bundesanleihen werden im so genannten Tenderverfahren, ähnlich einer Auktion, über die Bietergruppe Bundesemissionen begeben und mehrmals im Jahr aufgelegt bzw. aufgestockt. Im direkten Anschluss an die Emission werden Bundesanleihen in den Handel an der Börse Frankfurt eingeführt.
     
  • Euro-Staatsanleihen
    Wie die Bundesrepublik emittieren auch andere Staaten, Gemeinden oder Städte Schuldverschreibungen zur Deckung ihres Kapitalbedarfs. Anleihen, die von staatlichen Emittenten innerhalb der Eurozone begeben werden, fasst man unter dem Überbegriff Euro-Staatsanleihen zusammen. In ihrer Bonität sind die meisten Euroländer vergleichbar mit der Bundesrepublik, die Renditen weichen nur geringfügig von der Rendite der Bundesanleihen ab.
     
  • Staatsanleihen anderer Länder
    Neben der Bundesrepublik und anderen Euroländern begeben die Zentralbanken vieler andere Länder Anleihen. Hier werden vor allem Emissionen der Industrieländer von Emerging-Markets-Anleihen unterschieden. Staaten, die an der Schwelle vom unterentwickelten Land zum Industriestaat stehen, haben einen großen Kapitalbedarf, den sie explizit im Ausland decken. Dazu gehören z.B. Argentinien, Brasilien, Indien oder China. Emerging-Market-Anleihen sind hauptsächlich Euro oder US-Dollar denominiert. Ihre Attraktivität liegt in den hohen Zinsen, die sie ihren Geldgebern bezahlen. Das Risiko dieser Anleihenklasse steckt in der schlechten Bonität der entsprechenden Länder und der damit nicht abschätzbaren wirtschaftlichen Entwicklung.
     
  • Unternehmensanleihen
    Unternehmen nutzen häufig die Möglichkeit, sich über Unternehmensanleihen, auch Corporate Bonds genannt, statt über Bankkredite zu finanzieren. Der Kupon bei Emission bzw. später die Rendite der Unternehmensanleihen, richtet sich nach der Bonität des Unternehmens. Je schlechter das Rating, umso höher sind die Zinsen beziehungsweise die Rendite. Demzufolge muss man mit den so genannten Corporates bei einer Veränderung des Ratings mit Kursveränderungen rechnen. Unternehmensanleihen können sehr sensibel, wie Aktien, auf gesamtwirtschaftliche Veränderung reagieren. Im Gegensatz zu Pfandbriefen sind Unternehmensanleihen in der Regel nachrangig besichert. Das heißt, kann das Unternehmen seine Schulden nicht mehr bedienen, werden andere Gläubiger vor den Anleiheneignern bezahlt.
     
  • Pfandbriefe von Banken
    Banken vergeben Kredite an Privat- und Unternehmenskunden. Das benötigte Kapital dafür holen sie sich über die Emission von Anleihen. Eine besondere Form dieser Bankschuldverschreibung ist der Pfandbrief. Pfandbriefe unterliegen strengen gesetzlichen Regelungen, was die Verwendung der Kredite und die Haftung der Emittenten betrifft. Die Kredite, die in Pfandbriefe einfließen, dürfen nur der Finanzierung von Grundstücken und Häusern dienen. Die Kredite sind besichert. Als Pfand dienen die finanzierten Immobilien und Grundstücke.
  • Jumbopfandbriefe
    Pfandbriefe wurden in der Regel von Anlegern gekauft und bis zur Endfälligkeit gehalten, es fand kaum Handel statt. Um den Pfandbriefhandel anzukurbeln und diese Anleihenform auch für ausländische Investoren attraktiver zu gestalten, führte man 1997 die Jumbopfandbriefe, kurz Jumbos, ein. Mehrere kleine Emissionen werden bei den Jumbos zu einer großen zusammengefasst. Jumbopfandbriefe müssen folgende Bedingungen erfüllen:- Das Emissionsvolumen muss mindestens 1 Milliarde Euro betragen. Sie können ausschließlich in Höhe von mindestens 125 Millionen Euro augestockt werden. Mindestens fünf Market Makers stellen zu den üblichen von 9 bis 17 Uhr simultan Geld- und Briefkurse bis zu einem Ordervolumen von 15 Millionen Euro.

Unterscheidung nach spezifischen anderen Merkmalen

  • Fremdwährungsanleihen
    In diese Kategorie gehören alle Anleihen, die nicht in Euro begeben sind – unabhängig ob von staatlichen oder privatwirtschaftlichen Emittenten. Sowohl Anleihen in Leitwährungen wie US-Dollar oder Pfund als auch z.B. der südafrikanische Rand gehören in diese Kategorie. Der Reiz der Fremdwährungsanleihen liegt in eventuell gegenüber der Eurozone höheren Zinsen und in der Chance eines Währungskursgewinns. Allerdings besteht auch das Risiko eines Währungsverlustes gegenüber dem Euro.
     
  • Genussscheine
    Genussscheine sind nicht standardisierte Wertpapiere und stellen eine Mischform zwischen Aktien und Anleihen dar. Genusskapital gehört zum haftenden Eigenkapital eines Unternehmens; Inhaber von Genussscheinen haben aber im Gegensatz zu Aktionären kein Stimmrecht. Auf der anderen Seite verbriefen diese Papiere Gläubigerrechte und Inhaber der Scheine bekommen ihr Kapital verzinst ­– höher als bei einer klassischen Unternehmensanleihe. Die Ausschüttung ist meist an die wirtschaftliche Lage des Unternehmens gekoppelt. Nach einem guten Geschäftsjahr kann die Ausschüttung erhöht werden, in schlechten Zeiten kann sie im schlimmsten Fall ganz ausfallen. Bei börsennotierten Gesellschaften entscheiden die Aktionäre auf der Hauptversammlung über die Höhe der Ausschüttung. Da die Ausgestaltung dieser Wertpapierklasse weder vom Gesetzgeber noch von den Wertpapierbörsen vorgeschrieben ist, findet man viele verschiedene Formen an Genussscheinen.

Sonstige Anleihentypen

  • Nachranganleihen
    Nachrangige Anleihen, auch TIER1-Anleihen genannt, werden meist von Banken angeboten. Nachrangig bedeutet, dass bei bei einem Zahlungsausfall des Emittenten alle anderen Verbindlichkeiten der Bank zuerst befriedigt werden, bevor die Anleiheneigner ihr Geld bekommen. Klassische TIER1-Anleihen haben eine unendliche Laufzeit. Zinsen für die Anleihe zahlt der Emittent nur, wenn die Bank auch eine Dividende ausschüttet. Wegen des höheren Risikos sind die Zinsen höher als bei vergleichbaren vorrangigen Anleihen. Inzwischen gibt es auch nachrangige Anleihen von Unternehmen. TIER steht für den englischen Begriff Ebene, der Begriff TIER1 kommt aus der Logistik. 
     
  • Wandel- und Optionsanleihen (Convertible Bonds)
    Wandel- und Optionsanleihen können von Aktiengesellschaft emittiert werden. Beides sind festverzinsliche Wertpapiere, die Anlegern ein Recht auf einen Tausch in Aktien bzw. die Ausübung der Option geben. Bei Wandelanleihen können die Besitzer ihre Anleihen während er Laufzeit in Aktien des Unternehmens tauschen. Wird das Wandlungsrecht ausgeübt, verfällt die Anleihe. Optionsanleihen sind verzinsliche Wertpapiere, die dem Anleger das Recht zum Erwerb von Aktien oder auch anderen vertretbaren (handelbaren) Vermögenswerten in einem von der Anleihe abtrennbaren Optionsschein verbriefen. Nach Emission kann die Option getrennt von der Anleihe gehandelt werden. Options- und Wandelanleihen sind für Unternehmen eine günstige Möglichkeit der Kapitalbeschaffung. Die Emittenten reduzieren die marktüblichen Zinsen, die sie ihren Investoren normalerweise zahlen müssten. Im Gegenzug versüßen sie die geringeren (Zins-)Einkünfte mit dem Recht, die Aktie des Unternehmens für einen vorher festgelegten Preis kaufen zu können.
     
  • Strukturierte Anleihen
    Zu den festverzinslichen Wertpapieren gehören auch die strukturierten Anleihen. Sie funktionieren oberflächlich betrachtet wie eine normale Anleihe mit einem festen Zinssatz. Allerdings sind strukturierte Anleihen mit individuellen Zusatzbedingungen ausgestattet. Das kann die Zinsbedingungen betreffen, d.h. der Kupon erhöht oder verringert sich in festgelegten Stufen oder die Anleihe wandelt sich nach einem bestimmten Zeitraum in einen Floater. Aber auch besondere Rückzahlungsbedingungen machen ein festverzinsliches Wertpapier zu einer Strukturierten Anleihe, was bei den so genannten Credit Linked Notes der Fall ist. In dieser Wertpapiergattung verbrieft der Emittent einen Kredit, den er an ein drittes Unternehmen vergeben hat. Fällt dieser Schuldner aus, haftet der Anleiheneigner für den ausstehenden Kredit in Höhe seiner Anleihe. Anleger sollten sich sehr genau über die Zins- und Rückzahlungsbedingungen der strukturierten Anleihe informieren.
  • Inflationsindexierte Anleihe
    Bei inflationsindexierten Anleihen, häufig auch inflation-linked Bonds genannt, sind Kupon und Rückzahlungsbetrag an die Inflation gekoppelt. Das schützt sie (teilweise) vor Geldentwertung. Als Referenzindex gelten Preisindizes. Bei den inflationsindexierten Bundesanleihen ist dies der harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) ohne Tabak. Der HVPI misst das Preisniveau von Gütern und Dienstleistungen, die von privaten Haushalten in der Eurozone bezahlt werden. Zur Berechnung des inflationsabhängigen Kupons sowie der Tilgung wird die so genannte Indexverhältniszahl errechnet. Diese gibt das Verhältnis zwischen dem Wert des Referenzindexes am Abrechnungstag und dessen Niveau bei Emission der Anleihe wieder. Steigt die Inflation, wirkt sich dies positiv auf die Zinsen und den Betrag am Ende der Laufzeit aus. Bei einer niedrigen Inflation oder sogar Deflation, sind die Zinseinnahmen jedoch geringer als bei herkömmlichen Anleihen. Die inflationsindexierten Anleihen des Bundes werden im Falle einer Deflation zum Nennwert zurückbezahlt.

©  Mai 2019 Deutsche Börse