Optionsscheine sind die Klassiker unter den Hebelprodukten. Sie stellen ein handelbares Recht dar, nämlich das Recht, den Basiswert zu einem festgelegten Preis zu kaufen oder zu verkaufen.

Optionsscheine, englisch Warrants, zählen zu den Hebelprodukten. Das heißt Anleger müssen nicht die ganze Aktie kaufen, sondern erwerben mit einem Optionsschein nur ein Bruchstück daran. Durch den geringen Kapitaleinsatz sind höhere Gewinne, aber auch Verluste möglich. Denn: kostet ein Gut 100 Euro und steigt um 10 Euro auf 110 Euro, dann ist das ein Anstieg um 10 Prozent. Steigt jedoch Etwas von 10 Euro ebenfalls um 10 Euro, dann ist das ein Anstieg um 200 Prozent. Der Hebel ist in dem Fall 10. 

Mit einem Optionsschein kauft man das Recht, nicht aber die Pflicht, eine Aktie, Index, Rohstoffe etc. zu einem bestimmten Termin zu einem zuvor festgelegten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Verkäufer von Optionsscheinen sind inzwischen in der Regel große Banken und Wertpapierhandelshäuser.

Vorteile

Anleger können mit dem Kauf von Anteilen eines Basiswertes an der Kursentwicklung profitieren, ohne diesen komplett zu erwerben. Dadurch können Anleger mit Call-Optionsscheinen überproportional an steigenden und mit Put-Optionsscheinen an fallenden Märkten partizipieren. Ermöglicht wird dies durch die Hebelwirkung. 

Risiken

Läuft der Markt nicht in die gewünschte Richtung, bringt der Hebel eines Optionsscheins überproportionale Verluste. Die Hebelwirkung wirkt somit auch in die andere Richtung. Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich. Daher eignen sich Optionsscheine nur für risikobereite, spekulative Anleger.

Vergleich Put- mit Call-Optionsschein

 Put-Optionsschein (Kauf einer Verkaufsoption)Call-Optionsschein (Kauf einer Kaufoption)
BasiswertAktie XYAktie XY
Kurs Aktie (Basiswertpreis)50 €50 €
Basispreis des Optionsscheins (Strike)50 € (Recht, Aktie für 50 € zu verkaufen)50 € (Recht, Aktie für 50 € zu kaufen)
Bezugsverhältnis1:10 (10 Optionsscheine stehen für eine Aktie)1:10
Preis Optionsschein0,50 €0,50 €
Szenario 1 am Laufzeitende: Aktienkurs35 €60 €
Gewinn1 € oder 200 %1 € oder 200 %
Rechnung50 € Basispreis – 35 € = 15 € 
15 € sind der innere Wert. Wenn positiv, ist der OS im Geld
15 € x 0,1 (Bezugsverhältnis) = 1,50 €
1,50 € - 0,50 € = 1 €
60 € - 50 € Basispreis = 15 € 
15 € sind der innere Wert. Wenn positiv, ist der OS im Geld
15 € x 0,1 (Bezugsverhältnis) = 1,5 €
1,50 € - 0,50 € = 1 €
Szenario 2 am Laufzeitende: Aktienkurs45 €55 €
 0 € oder 0 %
50 € Basispreis – 45 € = 5 € 
5 € sind der innere Wert. Da positiv, ist der OS im Geld
5 € x 0,1 (Bezugsverhältnis) = 0,50 €
0,50 € - 0,50 € = 0 €
0 € oder 0 %
50 € Basispreis – 45 € = 5 € 
5 € sind der innere Wert. Da positiv, ist der OS im Geld
5 € x 0,1 (Bezugsverhältnis) = 0,50 €
0,50 € - 0,50 € = 0 €
Szenario 3 am Laufzeitende: Aktienkurs55 €45 €
Verlust100 % 
Option verfällt wertlos, da man die Aktie für 55 € verkaufen könnte, also mehr als die vereinbarten 50 €.
100% 
Option verfällt wertlos, da man die Aktie für 45 € verkaufen könnte, also weniger als die vereinbarten 50 €.

Anmerkung 1: Um ein neutrales Ergebnis zu erzielen, muss der Basiswert um die Höhe des Optionsscheins sinken (Put) oder steigen (Call).  Dies ist in der obigen Tabelle bei Szenario 2 aufgeführt. Denn, kostet ein Put oder ein Call 0.5 Euro mit einem Bezugsverhältnis von 1:10, dann muss der Basiswert mindestens um 5 Euro (Optionsschein Kaufpreis / Bezugsverhältnis) steigen oder fallen.

Anmerkung 2: Der Hebel errechnet sich, indem man den Basiswertkurs mit dem Bezugsverhältnis multipliziert und durch den Optionsscheinkurs teilt. Ein Hebel von beispielsweise 3 bedeutet, dass sich der Wert des Optionsscheins 3 Mal stärker bewegt als der Basiswert. Jedoch verändert sich der Hebel mit der Veränderung des Preises des Optionsscheins.

Laufzeit 

Optionsscheine haben meist eine Laufzeit von einem Monat bis drei Jahren.

Verhalten während der Laufzeit

Optionsscheine können Sie während der Laufzeit jederzeit kaufen und verkaufen. Während der Börsenhandelszeit stellen die Emittenten fortlaufend An- und Verkaufspreise für die eigenen Produkte. So ist sichergestellt, dass die Produkte jederzeit handelbar sind, auch wenn über längere Zeiträume hinweg keine Umsätze in einem Produkt stattfinden.

Theoretisch können Anleger während der Laufzeit ihren Optionsschein auch ausüben, d.h. den Basiswert erwerben oder veräußern. Können sie das Optionsrecht jederzeit während der Laufzeit ausüben, spricht man vom sogenannten amerikanischen Recht. Ist ein Ausüben des Optionsscheins nur am Laufzeitende möglich, handelt es sich um einen Optionsschein nach europäischem Recht. In der Praxis hat das wenig Bedeutung – Anleger werden ihren Gewinn realisieren, indem sie den Optionsschein verkaufen.
 

Markterwartung

Anleger, die einen Call-Optionsschein kaufen, erwarten steigende Kurse. Put-Optionsschein-Käufer hingegen Sinkende. 

Hilfe bei der Entscheidungsfindung

Wenn Sie sich entschieden haben, einen Optionsschein zu erwerben, werden Sie schnell feststellen, dass es zu einem bestimmten Basiswert eine riesige Anzahl an Produkten gibt. 

Dabei helfen Ihnen unter anderem folgende Kennzahlen bei der Entscheidungsfindung. 

  • Basispreis
    Mit der Festsetzung des Basispreises können Anleger in Teilen ihr Risiko steuern: Defensiv liegt bei einem Call-Optionsschein der Basispreis unterhalb des Basiswertkurses (im Geld), offensiver oberhalb des Basiswertkurses (aus dem Geld). Beim Put-Optionsschein verhält es sich genau umgekehrt.
     
  • Volatilität
    Bei Optionsscheinen ist die zukünftige Volatilität (implizite Volatilität) ein sehr wichtiges Preiskriterium. Mit der Volatilität wird die Schwankungsintensität des Preises eines Basiswertes innerhalb eines bestimmten Zeitraums beschrieben. Je höher die Volatilität, umso stärker schlägt der Kurs nach oben und unten aus. Steigt die Volatilität, steigt auch der Wert der Optionsscheine (Put und Call). Denn hohe Schwankungsintensitäten gleich höhere Chance, dass der Optionsschein am Laufzeitende einen inneren Wert aufweist.
     
  • Faktor Zeit: liegt ein Call-Optionsschein aktuell aus dem Geld (Basispreis > Basiswertkurs), so muss dies nicht linear weiterlaufen, es kann sich ändern. Aber je näher der Optionsschein am Laufzeitende ist, desto absehbarer wird das Zeitrisiko. Dies wirkt sich negativ auf den Preis des Optionsscheins aus. Er verliert an Wert, die mögliche Rendite sinkt. Anders ausgedrückt: geringeres Risiko, geringe Chance auf höhere Renditen. Das Gleiche gilt auch für den Put-Optionsschein.
     
  • Mit dem Optionsschein-Rechner lässt sich simulieren, wie sich eine Veränderung preisbestimmender Parameter wie z.B. eine Veränderung des Basiswertes oder auch eine Veränderung der Laufzeit auf den Preis eines Optionsscheins auswirkt.  

Juni 2019, © Deutsche Börse AG