Dossier ETFs und ETPs

ETFs – börsengehandelte Indexfonds

ETFs – kurz für Exchange Traded Funds ­– waren in den vergangenen Jahren weltweit so erfolgreich wie kaum eine andere Finanzinnovation­ sowohl bei institutionellen Investoren als auch bei den Privatanlegern. Dennoch zeigen Umfragen, dass etliche Anleger in Deutschland diese Anlageform nicht kennen und noch weniger sie einsetzen. In Anbetracht der Vorteile dieser Form börsengehandelter Fonds gegenüber anderen Investments liegen hier einige Chancen brach. 
 

In den USA gibt es ETFs, die dort inzwischen fest etabliert sind, seit 1993. In Deutschland wurden erst im Jahr 2000 die ersten Index-Tracker an der Börse gelistet – mit großem Erfolg, denn die monatlichen Umsätze liegen inzwischen bei etwa 14 Milliarden Euro (Stand 2014).

Passiv statt aktiv?

ETFs bilden das Portfolio eines vorher festgelegten Index ab. Es findet, anders als bei aktiv verwalteten Publikumsfonds, keine Einzeltitelauswahl statt. Bei Letzteren versucht das Fonds-Management, durch gezielte Einzeltitelauswahl überdurchschnittliche Erträge zu erwirtschaften. Die Messlatte ist in der Regel ein Vergleichsindex. 

Das Besondere an einem ETF

ETFs müssen zwei weitere Kriterien erfüllen:

  • Die Veröffentlichung der Zusammensetzung des Portfolios von ETFs erfolgt auf täglicher Basis. Damit erhalten Anleger fortlaufend einen Überblick über die Gewichtung der einzelnen Aktien im Portfolio auf Basis der Schlusskurse vom Vortag.
     
  • ETFs besitzen einen so genannten Creation/Redemption-Mechanismus, der es professionellen Marktteilnehmern erlaubt, jederzeit der Indexzusammensetzung entsprechende Aktienkörbe gegen ETFs (und umgekehrt) mit der Fondsgesellschaft zu tauschen.

Der Name ETF wird im europäischen Ausland nur für solche Fonds verwendet, auch wenn eine direkte Übersetzung von Exchange Traded Funds ins Deutsche vermuten ließe, dass damit allgemein börsengehandelte Fonds gemeint seien.

iNAVs für börsengehandelte Fonds

Der Wert eines Fondsanteils wird errechnet, indem das Fondsvermögen durch die Anzahl der umlaufenden Anteilsscheine dividiert wird. Steigt der Wert der im Fondsvermögen enthaltenen Anlagen, wird sich auch das Fondsvermögen beziehungsweise der Wert des Anteilsscheins erhöhen.

Über die einzelnen Anteile an einem Investmentfonds werden Urkunden ausgestellt, die dem Inhaber ein Miteigentum am Fondsvermögen verbriefen und einen Anspruch auf Gewinnbeteiligung und Anteilsrückgabe zum jeweils gültigen Rücknahmepreis garantieren. Die genauen gesetzlichen Vorschriften zu Investmentfonds sind im Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) zu finden.

Bei einem klassischen Fonds berechnet die Fondsgesellschaft das gesamte Fondsvermögen – den offiziellen Nettoinventarwert – einmal täglich, in seltenen Fällen sogar nur einmal wöchentlich. Daran orientiert sich wiederum der festgelegte An- und Verkaufskurs eines Fondsanteils, der entsprechend auch nur einmal am Tag gestellt wird.

Für börsengehandelte Fonds berechnet entweder die Deutsche Börse oder alternativ ein vom Emittenten beauftragter Dienstleister während der Handelszeit mindestens einmal pro Minute den „indikativen Nettoinventarwert“, kurz iNAV®. Dabei wird das Fondsvermögen in der Regel auf Basis der Kurse der Einzelpositionen im Fonds-Portfolio ermittelt und die Barmittel des Fonds addiert. Das so berechnete Fondsvermögen geteilt durch die Zahl der im Umlauf befindlichen Fondsanteile ergibt den iNAV-Wert, den die Deutsche Börse im Minutentakt wie einen Aktienkurs veröffentlicht.

Der größte für Privatinvestoren spürbare Unterschied besteht in den Kosten. Der Aufwand, den die auflegende Gesellschaft betreiben muss, ist bei einem aktiv verwalteten Fonds erheblich höher – folglich auch die Managementgebühren, die Investoren tragen. Bei Indexfonds liegen die Managementgebühren im Durchschnitt unter 0,4 Prozent jährlich, bei aktiv verwalteten Publikumfonds 1,5 Prozent. Die Geister scheiden sich darüber, ob aktiv gemanagte Fonds diese Zusatzkosten durch eine bessere Performance kompensieren können.

Insbesondere in sehr transparenten Märkten, wie deutsche Standardwerte im DAX oder US-amerikanische im S&P500, schaffen es auf Fünfjahressicht nur die wenigsten der aktiv verwalteten Fonds besser abzuschneiden als ETFs. 

Bitte wählen!

Das Angebot an börsengehandelten Fonds wächst kontinuierlich. Die ETFs decken alle großen Indizes wie den DAX, den FTSE oder MSCI World ab. Aber auch andere, etwas „exotischere“ Märkte werden gespiegelt: Beispielsweise ermöglichen ETFs auf den S&P GSCI ein Index-gekoppeltes Investment in Rohstoffe, einige Anbieter bieten für jeden Euro Stoxx-Sektor einen Branchenfonds. Inzwischen gibt es etliche ETFs, die fundamentale und quantative Strategien verfolgen und ein stetig wachsendes Universum an Renten-ETFs. Neuer, sehr starker Trend sind ETFs, deren Zusammensetzung Kriterien der Nachhaltigkeit miteinbeziehen.

Active ETFs

Eine besondere Form der ETFs sind die aktiv verwalteten ETFs – kurz Active ETFs. Bei diesem Produkttyp trifft zwar ein Management aktiv Entscheidungen, was sie aber von den aktiv verwalteten Publikumsfonds unterscheidet ist, dass sie wie ETFs ein hohes Maß an Transparenz aufweisen und mit mehreren Designated Sponsors über Xetra gehandelt werden können.

Juni 2019, © Deutsche Börse AG