Dossier Anlagezertifikate

Index-Zertifikate

Don’t try to beat the market, be the market. Auf diese einfache Formel lässt sich die Idee von Index-Zertifikaten bringen. Doch wie kauft man einen kompletten Markt?

Breit gestreut und transparent

Index-Zertifikate sind so konzipiert, dass Anleger eins zu eins an der Entwicklung eines Börsenindex teilhaben – ohne die zugrunde liegenden Aktien tatsächlich zu kaufen.

Jedes Index-Zertifikat weist ein Bezugsverhältnis aus (z.B. 1:10 oder 1:100), das den Wert des Zertifikats im Verhältnis zum Indexstand definiert. Der Anleger kann mit minimalem Aufwand auch kleinere Beträge breit diversifiziert und transparent investieren.

Das Prinzip ist einfach: Steigt der zugrunde liegende Basiswert, das so genannte Underlying, erhöht sich parallel dazu auch der Wert des Zertifikats, mit jedem Rückgang sinkt er entsprechend. Im Gegensatz dazu setzen Anleger bei einem Investment in Reverse-Index-Zertifikate, auch Short- oder Bear-Zertifikate genannt, explizit auf sinkende Aktienkurse. Fällt also der zugrunde liegende Index, gewinnt das Zertifikat im gleichen Verhältnis an Wert. Ein Blick auf den jeweiligen Index genügt, um jederzeit über den aktuellen Wert des Zertifikats informiert zu sein.

Über alle Grenzen

Die meist gehandelten Basiswerte sind DAX und DJ Euro Stoxx 50.

Bei Index-Zertifikaten, die sich auf einen Aktienindex außerhalb des Euro-Raums beziehen, sollten Anleger das Währungsrisiko bedenken. So könnte sich ein Index-Zertifikat auf den Dow Jones Industrial Average für einen deutschen Anleger trotz einer Erholung des US-Aktienindex als Verlustgeschäft erweisen, wenn der US-Dollar gegenüber dem Euro an Wert verliert. Umgehen lässt sich dieses Risiko mit so genannten Quanto-Zertifikaten, bei denen der Umrechnungskurs zuvor schon festgelegt ist.

Performance- oder Kursindex?

Anleger sollten darauf achten, ob es sich beim Underlying um einen Performance- oder einen Kursindex handelt. Bei einem Performance-Index fließen sämtliche Dividenden und Erlöse aus Bezugsrechten in den Indexstand mit ein. Der Vorteil: Der Index kann durch Dividendenzahlungen selbst dann steigen, wenn sich der Kurs der im Index enthaltenen Aktien nicht erhöht. Prominentes Beispiel für einen Performance-Index ist der DAX. Im Gegensatz dazu zeichnen Kursindizes die reine Entwicklung der Aktien und somit auch die nach Dividendenzahlungen üblichen Kursabschläge nach. Beispiel für einen Kursindex ist der amerikanische Dow Jones.

Index-Fonds oder Index-Zertifikat?

Worin liegen die Unterschiede zwischen Index-Zertifikaten und Index-Fonds? Ein Vorteil von Index-Zertifikaten ist, dass sie geringere Management- und Verwaltungskosten als Indexfonds aufweisen können.

Die Zertifikate haben aber auch einen Nachteil gegenüber den Fonds: Da das Zertifikat eine Schuldverschreibung der begebenden Bank ist, gehen Kunden damit ein gewisses Kreditrisiko ein. Die Bank könnte zahlungsunfähig werden und damit das Zertifikat wertlos, unabhängig von der Entwicklung des zugrunde liegenden Wertes. Die Indexfonds dagegen stellen ein Sondervermögen der emittierenden Fondsgesellschaft dar. Im Falle einer Insolvenz der Fondsgesellschaft ist das Fondsvermögen nicht berührt. Man muss sich also überlegen, ob man das „Risiko“ eingehen will, ein Indexzertifikat von einer Bank zu kaufen oder ob man die „Sicherheit“ eines börsengehandelten Fonds vorzieht.

Für welchen Anlegertyp eignen sich Index-Zertifikate?

Ähnlich wie Investment-Fonds sind Index-Zertifikate besonders für Investoren interessant, die von positiven Entwicklungen an den Kapitalmärkten profitieren, sich aber nicht täglich mit der Kursentwicklung mehrerer Einzelaktien befassen wollen. Idee eines Index-Zertifikats ist es, längerfristig am Aufschwung einer ganzen Volkswirtschaft teilzuhaben. Für risikofreudige Anleger ist ein Index-Zertifikat weniger geeignet; sie streben überdurchschnittliche Gewinne an und sind bereit, auch einmal herbe Verluste hinzunehmen.

Reverse-Index-Zertifikate

Bei einem Investment in Reverse-Index-Zertifikate, auch Short- oder Bear-Zertifikate genannt, setzen Anleger explizit auf sinkende Aktienkurse. Fällt der zugrunde liegende Index, gewinnt das Zertifikat linear an Wert.

 Juni 2019, © Deutsche Börse AG