Dossier Anlagezertifikate

Express-Zertifikate

Express-Zertifikate dienen dazu, eine Zielrendite zu erreichen. Sie werden zwar mit einer maximalen Laufzeit aufgelegt, aber vorzeitig zurückgezahlt, falls der Basiswert das festgelegte Auszahlungslevel markiert.

Express-Zertifikate bieten Anlegern die Chance, in vergleichsweise kurzer Zeit eine eindeutig definierte Zielrendite zu erwirtschaften, wenn der Basiswert an einem bestimmten Beobachtungstag ein zugehöriges Referenzniveau (Basispreis) zumindest behauptet.

Für wen eignen sich Express-Zertifikate?

Express-Zertifikate eignen sich auf Grund ihrer Auszahlungsstruktur und des eingebauten Sicherungsmechanismus für konservative bis risikobewusste Anleger, die seitwärts laufende oder moderat steigende Kurse erwarten.

Bei Emission eines Express-Papiers wird für den Basiswert zunächst ein Basispreis festgelegt, der oft dem Kurs zum Emissionszeitpunkt entspricht. Weiterhin definiert der Emittent für die gesamte Laufzeit, die meist drei bis sechs Jahre beträgt, mehrere Beobachtungstage, beispielsweise im Abstand von 12 Monaten. Notiert jetzt der Basiswert am ersten Beobachtungstag über oder auf dem Basispreis, so wird das Produkt vorzeitig fällig und dem Anleger wird der Nominalwert zuzüglich eines Bonusbetrags ausbezahlt.

Sollte der Kurs des Basiswerts an diesem Tag niedriger sein als der Referenzkurs, verlängert sich die Laufzeit automatisch bis zum nächsten Beobachtungstag. Wenn das Referenzniveau dann zumindest erreicht wird, erhält der Anleger wiederum den Nominalwert, nun aber zusätzlich den doppelten Bonusbetrag zurück. Die Laufzeit verlängert sich ein weiteres Mal bis zum nächsten Stichtag, wenn der Referenzwert abermals nicht behauptet wird. Dieser Abgleich wiederholt sich an allen Beobachtungstagen mit einer jeweils höheren Renditechance.

Wenn nun am letzten Stichtag, so wie auch an den Stichtagen zuvor, der Kurs des Basiswertes nicht mindestens dem Basispreis entspricht, wird der Sicherungsmechanismus des Produktes aktiviert. Das Zertifikat ist so ausgestattet, dass bei Emission auch eine Sicherheitsschwelle definiert wird, welche bei z.B. 70 Prozent des Basispreises liegt. Wird am letzten Beobachtungstag zwar das Basispreisniveau, nicht aber das Sicherheitsniveau unterschritten, so erhält der Investor zumindest den Nominalwert des Produktes zurück. Er partizipiert aber von der gesamten negativen Performance des Basiswertes seit der Emission, wenn auch die Sicherheitsschwelle berührt oder nach unten durchbrochen werden sollte. An dieser Stelle wird deutlich, dass, obwohl es sich bei dem Express-Zertifikat um ein eher konservatives Investment handelt, hier nicht mit sicheren Auszahlungen, wie z.B. bei Garantie-Zertifikaten, gerechnet werden kann.

Funktionsweise an einem Beispiel

Restlaufzeit4 Jahre
BasiswertEuro Stoxx 50
Sicherheitsschwelle2.800 Punkte
Aktueller Indexstand4.000 Punkte
Ausgabepreis Zertifikat100 €
Beobachtungstag:1. Juli  (alle 12 Monate) 
 BasisipreisRückzahlungsbetrag
nach Jahr 14.000 Punkte106 €
nach Jahr 23.900112 €
nach Jahr 33.800118 €
nach Jahr 43.700124 €

Bei diesem Express-Zertifikat handelt es sich um ein Produkt mit jährlich fallendem Basispreis. Nach dem ersten Jahr wird geprüft, ob der DJ Euro Stoxx 50 am Stichtag auf oder oberhalb des Basispreises von 4.000 Punkten notiert. Ist dies der Fall, so wird das Zertifikat vorzeitig fällig und der Anleger erhält eine Rückzahlung von 106 Euro. Ansonsten läuft das Zertifikat weiter bis zum nächsten Stichtag. Hier würde der Anleger nun 112  Euro erhalten, wenn der DJ Euro Stoxx 50 auf oder über 3.900 Punkten steht. Erreicht oder überschreitet der Index an keinem der Stichtage den zugehörigen Basispreis, so erhält der Anleger bei Fälligkeit den Ausgabepreis von 100 Euro zurück, sofern der Index am letzten Stichtag die Sicherheitsschwelle von 2.800 Punkten nicht verletzt. Ansonsten erhält der Anleger einen Rückzahlungsbetrag entsprechend der Wertentwicklung des Basiswertes und kann somit einen Kapitalverlust erleiden.

Produktvariationen

  • Easy Express
    Diese Papiere haben üblicherweise eine Laufzeit von etwas mehr als einem Jahr und besitzen nur einen Beobachtungstag.
     
  • Express Bonus
    Diese Produktvariante ist eine Kombination aus zwei klassischen Zertifikate-Klassen. Zunächst einmal entsprechen die Auszahlungsbedingungen dem eines normalen Express-Papiers. Notiert der Basiswert auf oder über einer Referenzschwelle, kommt es zu einer vorzeitigen Auszahlung (siehe oben). Kommt es zu keiner vorzeitigen Fälligkeit, verhält sich das Zertifikat am letzten Beobachtungstag wie ein Bonuspapier, das mit einer Sicherheitsschwelle und einer Bonusschwelle ausgestattet ist. Wenn während der gesamten Laufzeit eine Sicherheitsschwelle nie berührt wurde, wird Anlegern mindestens der Bonusbetrag ausgezahlt. Steht der Basiskurs über der Bonusschwelle, wird er unbegrenzt positiv von der Performance des Basiswerts partizipieren. Wurde die Sicherheitsschwelle berührt, wird entsprechend der negativen Performance ausbezahlt.
     
  • Relax Express
    Das Relax-Express-Zertifikat bietet dem Investor die Möglichkeit, entweder, wie beim klassischen Express-Zertifikat, vorzeitig sein eingesetztes Kapital zuzüglich eines Bonusbetrages zurückzubekommen, wenn der Basispreis an einem Stichtag zumindest behauptet wird. Notiert der Basiswert unter dem Basispreis, jedoch über einer Sicherheitsschwelle, wird ein Kupon ausbezahlt und die Laufzeit verlängert sich bis zum nächsten Stichtag. Sollte die Sicherheitsschwelle während der Laufzeit berührt werden, verfallen allerdings die Ansprüche sowohl auf eine vorzeitige Fälligkeit als auch auf die Kuponzahlungen und der Anleger partizipiert ab da 1:1 an der Performance des Basiswerts.
     
  • Alpha Express
    Auch mit Express-Zertifikaten ist es möglich, marktneutral zu investieren. Die Auszahlung des Bonusbetrages ist nun nicht mehr von der absoluten Kursentwicklung des Basiswerts abhängig. Vielmehr entscheidend ist jetzt, ob der Basiswert sich relativ besser entwickelt als ein bestimmter Vergleichswert (Benchmark).
     
  • Multi Express
    Das Multi-Express-Zertifikat ist von der Struktur dem klassischen Express-Zertifikat sehr ähnlich. Der wichtigste Unterschied besteht darin, dass nun mehrere Basiswerte auszahlungsrelevant sind. Bezieht sich das Multi-Express-Zertifikat beispielsweise auf einen Aktienkorb, so ist jeder Einzelaktie für jeden Beobachtungstag ein Referenzwert zugeordnet. Für eine vorzeitige Rückzahlung müssen alle Einzelwerte am jeweiligen Stichtag über dem Referenzwert notieren. Entsprechend wird der Anleger, wenn es zu keiner vorzeitigen Auszahlung kommt, am letzten Stichtag von der schlechtesten Einzelperformance aus dem Aktienkorb eins zu eins partizipieren. Der Nominalwert wird zurückgezahlt, wenn kein Basiswert die jeweilige Sicherheitsschwelle berührt. Verbreitet sind auch hybride Produktformen wie Multi-Relax-Express-Zertifikate oder Multi-Easy-Express-Zertifikate. Der Zertifikate-Markt bietet dem Anleger eine sehr große Produktvielfalt, so dass an dieser Stelle leider nicht alle Produkttypen erläutert werden können. Außerdem ist es durchaus möglich, dass von der Funktionsweise her identische Produkte verschiedener Emittenten unterschiedliche Bezeichnungen tragen. Für Express-Zertifikate wie auch für andere Produkttypen gilt deshalb, dass Anleger vor dem Kauf stets den jeweiligen Verkaufsprospekt aufmerksam lesen sollte, um zu verstehen, um welchen Produkttyp es sich bei dem einzelnen Zertifikat tatsächlich handelt.

Risiken

Das Risiko einer Kapitalanlage in Express-Zertifikaten ist – je nach gewählter Ausstattung – ähnlich wie bei einem direkten Investment in den Basiswert. Express-Zertifikate eignen sich daher für vorsichtige bis risikobewusste Anleger. Jede Geldanlage in Wertpapieren ist mit Risiken behaftet. Für Express-Zertifikate gelten insbesondere folgende speziellen Risiken:

  • Sicherheitsschwelle: Express-Zertifikate sind mit Sicherheitsschwellen ausgestattet. Durchbricht der Basiswert am letzten Beobachtungstag die Sicherheitsschwelle, so kann dies das Rückzahlungsprofil des Wertpapiers deutlich verändern. Die Wahrscheinlichkeit einer Verletzung der Sicherheitsschwelle steigt bereits deutlich an, wenn sich der Basiswert der Sicherheitsschwelle nähert. Daher kann in diesem Fall der Wert eines Express-Zertifikats schon vor einer Verletzung der Sicherheitsschwelle deutlich zurückgehen.
     
  • Hebelwirkung: Express-Zertifikate können aufgrund ihrer Ausgestaltung in bestimmten Konstellationen überproportional auf Kursbewegungen des Basiswertes reagieren. Durch die Hebelwirkung können in kurzer Zeit überproportionale Verluste anfallen.
     
  • Unterschiedliche Preisbildungsfaktoren: Veränderungen der impliziten Volatilität des Basiswertes beeinflussen den Wert von Express-Zertifikaten. Zusätzlich wird ihr Wert durch Veränderungen des Zinsniveaus, durch eine Änderung erwarteter Dividendenzahlungen für den Basiswert sowie durch die Abnahme der Restlaufzeit beeinflusst. Während der Laufzeit kann sich der Wert des Produkts daher zeitweise anders entwickeln als von Anlegern erwartet. Das endgültige Auszahlungsprofil von Express-Zertifikaten wird regelmäßig erst am Fälligkeitstag erreicht.
     
  • Keine zusätzlichen Erträge: Express-Zertifikate verbriefen in der Regel keinerlei Ansprüche auf Zins- oder Dividendenzahlungen während der Laufzeit, die Kursverluste abmildern können.
     
  • Begrenzte Laufzeit: Die Laufzeit eines Express-Zertifikates ist befristet. Express-Zertifikate können während der Laufzeit an Wert verlieren. Theoretisch ist ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich, wenn der Kurs des Basiswertes am letzten Beobachtungstag auf 0 fällt.
     
  • Basiswerte in Fremdwährung: Notiert der Basiswert an seiner Heimatbörse in einer anderen Währung als dem Euro, trägt der Anleger mit nicht währungsgesicherten Zertifikaten zusätzlich ein Währungsrisiko, da sich der Wert des Produkts unmittelbar aus dem Kurs des Basiswertes ableitet.
     
  • Bei nahezu allen strukturierten Produkten handelt es sich rechtlich um Schuldverschreibungen des jeweiligen Emittenten. Bei Zahlungsschwierigkeiten oder Insolvenz des Emittenten ist das investierte Kapital nicht geschützt. Der Anleger trägt daher ein Bonitätsrisiko.

Juni 2019, © Deutsche Börse AG