Dossier Handeln

Risikokennzahl Volatilität – Was Anleger beachten müssen


Brexit, Strafzölle, Konjunktursorgen sind u.a. der Nährboden für die erwartete Volatilität an den Wertpapiermärkten in 2019. Auch wenn Erwartungen über die Richtung weit auseinandergehen, sind sich die meisten Marktkommentatoren einig, dass es ruppig wird in diesem Jahr und die Preisschwankungen weiter zunehmen.

Was ist Volatilität?

Volatilität misst die Intensität der Schwankungen eines Wertpapierpreises oder eines Index um den eigenen Mittelwert.

Je höher die Volatilität, desto höher ist die Abweichung z. B. des Aktienkurses von seinem Mittelwert. Während sich die historische Volatilität auf die Schwankungsstärke in der Vergangenheit bezieht, misst die implizite Volatilität die zukünftig erwartete Schwankungsstärke.

Wie entsteht Volatilität?

Neben langfristigen Preistrends entsteht Volatilität durch punktuelle Effekte. Haupttreiber sind Meinungsänderungen der Trader, Investoren und Anleger. Auf Unsicherheiten wie die eingangs genannten oder unerwartete Ereignisse reagieren alle Akteure entsprechend ihrer eigenen Erwartungen, handeln direkt oder passen Kursziele und Limits an.

Was bedeutet Volatilität?

Volatilität gilt als Risikokennzahl. Sie bringt für die einen Unsicherheit, für die anderen aber Chancen.

Insbesondere für die deutsche Sparmentalität ist Volatilität ein Risikomaß, deren Nicht-Aushalten als einer der Gründe für die hiesige Aktienaversion angesehen wird. Und professionelle Anleger reagieren mit Absicherungen auf höhere Kursschwankungen. Aber des einen Leid ist des anderen Freud.Volatilität bringt den Markt in Bewegung. Professionelle Händler benötigen Abweichungen für Ein- und Ausstieg. Kurzfristig ausgerichteten Tradern bietet erst die Volatilität Chancen – in beide Richtungen.

Wie misst man Volatilität?

Für die historische Volatilität gilt die sog. Standardabweichung, das Schwanken der realen Werte um einen errechneten gleitenden Mittelwert, der sich als Kurve oder Gerade darstellen lässt. Technischen Kennzahlen liegt die historische Volatilität zugrunde.

Im Markt hat sich inzwischen die implizite Volatilität etabliert. Sie basiert auf den Optionspreisen am Terminmarkt und bildet die Erwartungen ab, die im Markt vorherrschen. Dargestellt werden die erwarteten Kursschwankungen für alle großen Märkte in Form von Indizes. Der VDAX-New z.B. gibt die implizite Volatilität der DAX-Aktien auf 30-Tagessicht wieder, der VSTOXX für den Euro Stoxx 50 und der VIX für den S&P 500.

Ausgedrückt wird die Volatilität in Prozent. Ein Wert des VDAX-New von 20 Prozent bedeutet etwa, dass die Marktteilnehmer in den nächsten vier Wochen mit Schwankungen von 20 Prozent um den Mittelwert des DAX rechnen.

Was ist normale, niedrige bzw. hohe Volatilität?

Welche Volatilität als „normal“ betrachtet wird, ist ein rein rechnerischer Wert und hängt auch stark vom angelegten Zeitraum ab. In den vergangenen Jahren lag die Volatilität deutscher Aktien meist unter 20 Prozent, beim Start des Börsenjahres 2019 steht der VDAX-New allerdings bei 24 Prozent. Blickt man einige Jahrzehnte zurück, weisen europäische Aktienmärkte eine typische Volatilität von 20 bis 30 Prozent auf, US-amerikanische 15 bis 25 Prozent.

© Januar 2019, Deutsche Börse AG

VDAX-NEW 2003–2018