Über die Börse

So funktioniert Börse

Börse ist nicht so abstrakt, wie sie Neulingen erscheinen mag. Die Akteure nutzen eine Sprache, die zunächst vielleicht unverständlich klingt. Doch ist Börse nichts anderes als ein Marktplatz, wie z.B. ein Gemüsemarkt, auf dem Händler ihre Waren anbieten und Einzelhändler für ihre Kunden kaufen, was diese brauchen.
 

Großmarkt Börse

Am ehesten kann man eine Börse mit einem Großmarkt vergleichen. Ebenso wie an der Börse treffen dort die eigentlichen Endverbraucher und Verkäufer selten direkt aufeinander. Erzeuger verkaufen ihre Waren an Großhändler, bei diesen beschaffen sich etwa Gemüsehändler ihre Waren. Endverbraucher kaufen wiederum Gemüsehändlern ein.

Die Börse handelt selbst nicht, genausowenig wie der Betreiber eines Großmarkts dort einen Stand hat. Sie organisiert den Markt, kümmert sich um die Regeln, stellt die Infrastruktur wie z.B. das Handelssystem aber auch das Haus bereit, sorgt für die Aufsicht, macht Werbung für den Marktplatz.

Für den Handel selbst greift die Börse auf die Hilfe von Wertpapierhandelsbanken zurück, den Marktteilnehmer im engeren Sinne. Im weiteren Sinne schließt der Begriff 'Marktteilnehmer' auch Investoren, Analysten, Journalisten, usw. mit ein. Die Erzeuger an der Börse sind die Emittenten der Wertpapiere, bei Aktien und Anleihen handelt es sich dabei um Unternehmen, bei Derivaten sind das Banken.

Inzwischen werden die Geschäfte überwiegend vollelektronisch abgewickelt. Dabei treten auch die Börsenhändler nicht mehr direkt miteinander in Kontakt, sondern ein Computersystem gleicht die Kauf- und Verkaufswünsche ab.

Marktteilnehmer: Händler, Investoren und Unternehmen

Akteure auf dem Marktplatz sind Investoren (in unserem Großmarkt-Vergleich die Endverbraucher, Emittenten (die Erzeuger) und die Händler.

Zur Gruppe der Händler gehören die Spezialisten auf dem Börsenparkett, die ähnlich wie Standbetreiber im Großmarkt die Kauf- und Verkaufsaufträge zusammenführen und damit die Preise machen. 

Im Xetra-Handel übernehmen Händler der Banken diese Aufgabe, die – ähnlich einem fliegenden Gemüseverkäufer – Aufträge von Kunden in das elektronische Handelssystem einstellen. Sei es auf eigene Rechnung, für Kunden oder im Auftrag von Emittenten, um die Handelbarkeit eines Wertpapiers zu erhöhen.

Investoren, Anleger und Trader

Die Endabnehmer sind eine sehr heterogene Gruppe. Es gibt große institutionelle Investoren, etwa Treasurer von Gemeinden oder von Versicherungen, Publikumsfonds und Vermögensverwalter. Aber auch private Anleger mit ganz langfristigen Vermögenszielen und wenigen Aktien im Portfolio, Aktiensparer, gehören dazu, ebenso wie sehr aktive Trader mit spekulativen Strategien.

Investoren haben keinen direkten Zugang zu den Handelssystem. An der Frankfurter Wertpapierbörse war der Zutritt zum Parkett und damit der Zugang zum direkten Handel seit jeher nur Teilnehmern mit Händlerzulassung möglich. Heute gibt es ohnehin keinen Präsenzhandel vor Ort mehr. Anleger platzieren ihre Aufträge über eine Depot-führende Bank oder, im Fall einiger professioeneller Investoren, über die Handelsabeilung ihres Instituts ­– egal ob auf Xetra oder dem Frankfurter Parkett. Allerdings bieten z.B. Online-Broker die Auftragsaufgabe im Internet über Ordermasken an, die so zügig von statten geht, dass es sich kaum noch von einem direkten Zugang zum Handelssystem unterscheidet. 

Unternehmen

Ebenso wie Investoren sind Unternehmen nicht auf dem Parkett zu finden. Dort werden „nur“ die Aktien der Unternehmen gehandelt. Trotzdem ist für viele Emittenten die Notierungsaufnahme an der Frankfurter Wertpapierbörse ein unvergesslicher Höhepunkt der der Unternehmensgeschichte. Die Börsenatmosphäre bei der ersten Preisfeststellung im maklergestützen Parketthandel ist einzigartig. Dieses Erlebnis kann man bei einem Börsengang auf der elektronischen Handelsplattform Xetra im Internet live mitverfolgen.

Ein Börsengang eröffnet Kapital suchenden Unternehmen viele Chancen. Börsennotierte Unternehmen wachsen in der Regel nicht nur schneller, sie reagieren auch stabiler auf konjunkturelle Schwankungen. Generell ist ein Börsengang sinnvoll, wenn es darum geht, Unternehmen auf eine breitere Eigenkapitalbasis zu stellen.

Anders als Fremdkapital steht Eigenkapital für unbegrenzte Zeit zur Verfügung und erhöht die Flexibilität eines Unternehmens. Langfristig kann es für strategische Vorhaben eingesetzt werden, zum Beispiel um das Unternehmen im internationalen Wettbewerb zu positionieren, Wachstumsstrategien konsequent zu verfolgen, die Bekanntheit im Markt und bei Investoren zu steigern, die Attraktivität als Arbeitgeber zu fördern.

Die Unternehmensnachfolge lässt sich ebenfalls über einen Börsengang regeln: Die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft und ein anschließender Börsengang machen den Unternehmenswert transparent und erleichtern die Trennung von Eigentum und Management. Mit einem Börsengang an der Frankfurter Wertpapierbörse (FWB) halten sich Unternehmen alle diese Chancen offen.

Ob ein Börsengang erfolgreich ist, hängt nicht nur von dem Unternehmen selbst ab, sondern von dem Marktumfeld. Wie ist die Bewertung am Aktienmarkt derzeit, sprich: wo stehen die Kurse? Welche Branchen werden gerade besonders beachtet? Auch am Aktienmarkt gibt es gewisse Moden. Spricht heute noch alle Welt von Solarenergie, könnte morgen schon Nano-Technologie der Liebling der Saison sein. Wie hoch ist die Liquidität bei den Investoren? Die IPO-Branche nennt dies geöffnetes ‚Zeitfenster’ für einen Börsengang.

Corporate Governance - Wohlverhalten von börsennotierten Unternehmen

Investitionen erfordern Vertrauen – in Geschäftsmodelle, Produkte, Märkte und vor allem in das Management eines Unternehmens. Die großen weltweiten Betrugsfälle in der Finanzmarktgeschichte haben viele Privatinvestoren misstrauisch gemacht und das Interesse an Aktienanlagen beschädigt. Dies ist ein Grund für die Forderung nach klaren Benimmregeln für Unternehmen. Die zunehmend internationale Ausrichtung der Konzerne und ihrer Investoren bietet einen weiteren. Globalisierung erfordert einheitliche Regelungen, damit sich Unternehmen und ihre Märkte besser vergleichen lassen.

Der Begriff Corporate Governance, der sich mit Unternehmensführung übersetzen lässt, bezeichnet einen Ordnungsrahmen für die Leitung und Überwachung von Unternehmen. Es geht vor allem um die rechtliche und um die tatsächliche Verteilung der Aufgaben zwischen Aufsichtsrat, Vorstand und Eigentümern sowie um die Entlohnung und Anreizsysteme dieser Gremien.

Mit der zunehmenden Bedeutung von Kriterien der Nachhaltigkeit bei Investmententscheidungen rückt auch die Governance wieder stärker in den Anlegerfokus. Unternehmerisches Wohlverhalten ist eine der drei Säulen – neben Umwelt und gesellschaftliche Verantwortung – nachhaltigen Wirtschaftens.

© Mai 2019 - Deutsche Börse AG