Zertifikate – vielfältige Chancen mit Struktur

Zertifikate bieten Anlagemöglichkeiten für jeden Geschmack, denn mit ihnen lassen sich vielfältige Strategien umsetzen. 

Manche Zertifikate locken mit Bonus und Sicherheitspuffer, andere bieten Garantien oder gewähren Discounts etwa auf Aktien. Es lohnt sich für Anleger, sich mit dieser Anlageklasse zu befassen. Vielleicht ist das passende Investment für die eigenen Anlageziele dabei. Zertifikate eignen sich besonders für exotische Märkte, schwer zugängliche Anlageklassen oder spezielle Trendthemen. Komplexere Formen, die dann häufig als strukturierte Produkte bezeichnet werden, bieten Chancen in Seitwärtsmärkten ohne starke Kursschwankugen.

Zertifikate sind, ähnlich wie Anleihen, Schuldverschreibungen eines Emittenten, in diesem Fall ist das eine Bank. Sie verbrieft den Käufern des Zertifikats, an der Preisentwicklung eines Basiswerts beteiligt zu sein. Dieser Basiswert ist häufig eine Aktie, ein Index oder ein speziell zusammengestellter Aktienkorb. Aber auch Zertifikate auf Wechselkurse, Devisen, Zinssätze oder Rohstoffe werden angeboten. 
 

Sicherheit und Risiko: Zertifikate eignen sich für alle Anlegertypen

Viele Zertifikate vollziehen die Bewegungen ihres Basiswertes 1 zu 1 nach. Sie können diese auch gegenläufig nachbilden. So kann der Kurs des Zertifikats steigen, wenn der ihm zugrundeliegende Index fällt. Es gibt zudem eine ganze Reihe an Zertifikaten, die Preisbewegungen über- oder unterproportional nachvollziehen. Das nennt man einen Hebel und die Wertpapiere Hebel-Zertifikate. Der Hebel erhöht zwar die Renditechancen, steigert aber auch das Risiko. 

Einige Zertifikate sind mit Sicherheitsschwellen oder Höchsterträgen ausgestattet, die sich auf das Chance-Risiko-Profil und die Kursentwicklung des Zertifikats auswirken. Je nachdem, welche Ausgestaltung ein Zertifikat vorweist, richtet es sich an sicherheitsorientierte oder an risikofreudige Anleger.

So finden Sie Ihr passendes Zertifikat

Zunächst sollten Sie sich überlegen, in welchen Markt, Index oder Strategie Sie investieren möchten. Dann prüfen Sie, ob hierfür ein entsprechendes Zertifikat existiert. Die Übersicht zum Zertifikatehandel an der Börse Frankfurt finden Sie auf boerse-frankfurt.de. Auch Online-Broker und andere Finanzportale stellen zu diesem Zweck entsprechende Suchhilfen bereit. 

Meist finden sich mehrere Anbieter mit ähnlich strukturierten Zertifikaten. Achten Sie deshalb besonders auf die Kosten, vor allem auf den Unterschied zwischen Kauf- und Verkaufskurs (Spread). Informieren Sie sich auch über die Bonität des Emittenten. 

Die wichtigsten Merkmale von Zertifikaten
 

  • Beim Kauf oder Verkauf fallen in der Regel keine oder nur geringe Ausgabeaufschläge und Managementgebühren an.
  • Selbst komplexe Depotstrukturen lassen sich durch kleine Bezugsverhältnisse mit kleinen Beträgen kostengünstig nachvollziehen.
  • Zertifikate sind börsentäglich fortlaufend handelbar. Die Emittenten stellen permanent verbindliche Kauf- und Verkaufskurse.
  • Mit einigen Zertifikaten können Sie als Anleger auch von seitwärts tendierenden Märkten oder von fallenden Kursen profitieren.

Laufzeit: Am besten unbegrenzt 

Zertifikate haben üblicherweise eine feste, meist mehrjährige Laufzeit. Inzwischen gibt es allerdings eine Reihe von Zertifikaten, die, ähnlich einer ewigen Anleihe, keinen festen Rückzahlungstermin haben. Der Vorteil: Langfristig orientierte Anleger ersparen sich Aufwand und Kosten für den Erwerb von Folgezertifikaten.

Das Bezugsverhältnis 

Ein einziges Zertifikat, etwa ein Index-Zertifikat auf den DAX, wäre natürlich sehr teuer, würde es den vollen Index im Verhältnis 1 zu 1 abbilden. Daher wählt der Emittent häufig kleinere Bezugsverhältnisse etwa von 1 zu 10 oder 1 zu 100.

Ein Beispiel: Ein Index-Zertifikat bildet den DAX im Verhältnis 1 zu 100 nach. Notiert der DAX bei 10.000 Punkten, hat das Papier einen Wert von 100 Euro. Anleger können also schon mit geringen Beträgen an der Kursentwicklung des gesamten Index teilhaben und haben jederzeit Transparenz über den Wert ihrer Anlage. 

Der Spread entscheidet 

Der Emittent eines Zertifikats stellt in der Regel permanent Kauf- und Verkaufs-Quotes, die sogenannten Geld- und Briefkurse. Dadurch lassen sich die Anteile jederzeit zum aktuellen Marktpreis kaufen und verkaufen. Der Spread, also die Spanne zwischen Geld- und Briefkurs, ist ein wichtiger Kostenfaktor für den Anleger.

Ein weiteres Beispiel: Der DAX steht bei 10.000 Punkten, und Sie möchten ein Index-Zertifikat mit dem Bezugsverhältnis 1 zu 100 kaufen. Der Emittent bietet das Zertifikat für etwa 100 Euro zum Kauf anbieten, das Rückkaufangebot liegt gleichzeitig bei 99,96 Euro. Der Spread beträgt also 4 Cent oder relativ ausgedrückt: 0,04 Prozent des Kaufkurses. Der Kurs des Zertifikates muss also erst einmal um diese 4 Cent steigen, bevor man es zum Einstandspreis wieder verkaufen kann. 

Stehen verschiedene Zertifikate mit gleicher Ausstattung, d.h. auf den selben Basiswert mit ähnlicher Laufzeit und Bezugsverhältnis, zur Auswahl, sollten Sie die relative Handelsspanne zwischen An- und Verkaufskurs beachten. 
 

Die Risiken von Zertifikaten

Auch wenn Zertifikate sich zumeist auf Aktien oder Aktienindizes beziehen, sind sie rein rechtlich gesehen Verbriefungen. Das bedeutet, sie beinhalten keinerlei Eigentums- und Aktionärsrechte an den entsprechenden Aktienunternehmen, auf das sie sich beziehen. Anleger erhalten mit ihrem Investment lediglich ein Schuldrecht gegenüber dem Emittenten, dem Herausgeber des Zertifikates, dem sie vorübergehend ihr Geld überlassen. 

 

Somit besteht neben dem Kursrisiko des Zertifikates auch ein Bonitätsrisiko bezüglich der Zahlungsfähigkeit des Emittenten. Im Gegensatz zu einem ETF ist das investierte Geld kein Sondervermögen. Zwar ist das Risiko, dass Emittenten insolvent werden, gering. Seit allerdings 2008 der US-amerikanische Emittent Lehman Brothers ausgefallen ist, sollten Sie sich bewusst sein, dass finanzielle Probleme des Emittenten die Rückzahlung gefährden können.